GSB 7.1 Standardlösung

Hinweis zur Verwendung von Cookies

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

OK

Fachmitteilung 20 / 2013 vom: 23.07.2013, Thema: Bahnbetrieb

Einsatzbeschränkungen für Schienenvorwärmgerät Bauart SH12S Cemafer

Das EBA hat Einsatzbeschränkungen für das Schienenvorwärmgerät der Bauart SH12S Cemafer verfügt.

Häufung von Unfällen mit dem Schienenvorwärmgerät Bauart „SH12S Cemafer“

Innerhalb des letzten Jahres haben sich nachweislich drei Unfälle durch Gasexplosionen an diesem Arbeitsgerät ereignet. Nur durch glückliche Umstände konnte bislang ein Personenschaden vermieden werden. Bei einem dieser Unfälle wurde als Folge der Explosion eine 33 kg Brenngasflasche ca. 80 Meter weit geschleudert.

Bei einer Besichtigung des Schienenvorwärmgerätes Bauart „SH12S Cemafer“ wurden u.a. folgende Mängel an dem Gerät und den Bedienungsunterlagen festgestellt:

  • Das Schienenvorwärmgerät Bauart „SH12S Cemafer“ hat in der Regel keine technischen Sicherungen, die vor Fehlbedienungen des Bedieners schützen, sondern die Sicherheit ist allein von den richtigen Handlungen des Bedieners abhängig.
  • Keine Dichtigkeitsprobe (absuchen mit Lecksuchspray) der Gasanlage von dem erst Einsatz und bei Flaschenwechsel vorgeschrieben. Dadurch werden Undichtigkeiten an der Gasanlage nicht erkannt.
  • Der Flaschenwechsel ist möglich ohne den Brenner zu löschen, dadurch besteht die Gefahr des Entzündens von ggf. austretenden Brenngasen.
  • Auch beim ordnungsgemäßen Flaschenwechsel besteht durch heiße Teile an den Kaskadenbrennern Entzündungsgefahr ggf. austretender Brenngase.
  • Die Zündung der Kaskadenbrenner muss durch eine externe Zündvorrichtung (z.B. Handbrenner) erfolgen, da keine eigene Zündvorrichtung (z.B. Piezo Zündung) vorhanden ist. Dadurch Verbrennungsgefahr beim Zünden.
  • Während des Zündvorgangs tritt längere Zeit Gas aus den Kaskadenbrenner aus bevor es zur Zündung kommt, da der Bediener nach dem Öffnen der Gasventile erst zu den Kaskadenbrenner laufen und die externe Zündvorrichtung anzünden muss, bevor dann

    die Kaskadenbrenner gestartet werden können. Anschließend muss der Vorgang für die zweite Seite wiederholt werden.

  • Bei Erlöschen eines Kaskadenbrenners erfolgt kein automatisches Abschalten der Gaszufuhr. Hierdurch kann es zum ungewollten Ausströmen von Brenngas kommen.
  • Im Bereich der Kaskadenbrenner gibt es mehrere heiße und nicht abgeschirmte (oder notfalls gekennzeichnete) Oberflächen. Dadurch besteht Verbrennungsgefahr.
  • Die Not-Ausreißleine ist aufgrund des Aufbaus und der Lage nicht deutlich gekennzeichnet bzw. schwer zu finden und zu handhaben. Ein Auslösen von der Flaschenseite aus, ist nicht möglich.
  • Standardmäßig sind die Geräte nicht mit einem Feuerlöscher oder einer anderen Feuerlöscheinrichtung ausgerüstet. Dadurch können entstehende Brände nicht sofort gelöscht werden.
  • Der Umgang an dem Schienenvorwärmgerät Bauart „SH12S Cemafer“ erfolgt mit normalem Werkzeug. Hierdurch können beim Abrutschen oder bei unsachgemäßer Handhabung Funken entstehen, die zusammen mit ausgeströmtem Brenngas für eine Entzündung sorgen können.

Bemerkung:
Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Es ist somit nicht auszuschließen, dass noch weitere Mängel an dem Arbeitsgerät vorhanden sind. Das Eisenbahn-Bundesamt verweist hierzu auf die Verpflichtungen gemäß §§ 3 - 6 ArbSchG, wonach der Arbeitgeber verpflichtet ist, seinen Betrieb sicher zu organisieren.

Beschränkung des Geräteeinsatzes

Nach Ansicht des Eisenbahn-Bundesamtes als zuständiger Arbeitschutz-Aufsichtsbehörde stellen die vorgefundenen Mängel eine so schwerwiegende Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Beschäftigten an diesen Arbeitsgeräten sowie für weitere Personen im Umkreis dar, dass Maßnahmen zur Gefahrenabwehr durch das Eisenbahn-Bundesamt angezeigt sind. Dies gilt unabhängig von den zurzeit auf Grund der Vorkommnisse durchgeführten Untersuchungen im Auftrag des Herstellers.

Das Eisenbahn-Bundesamt hat daher eine Reihe von Firmen gem. §22 Abs. 3 ArbSchG angewiesen, das Schienenvorwärmgerät Bauart „SH12S Cemafer“ - bis zum Abschluss der gutachterlichen Stellungnahme und Umsetzung der daraus ggf. erforderlichen Änderungen an Arbeitsgerät, Unterlagen und Verfahrensweise - auf Gleisen der Eisenbahnen des Bundes nur noch unter folgenden Bedingungen einzusetzen:

  • a. Es dürfen nur noch maximal vier Brenngasflaschen auf dem Schienenwärmegerät mitgeführt werden.
  • b. Der Flaschenwechsel darf nicht mehr bei heißen bzw. betriebswarmen Schienenvorwärmgeräten durchgeführt werden (d.h. Flaschenwechsel erst zulässig, wenn alle Teile, einschließlich der Kaskadenbrenner, auf Umgebungstemperatur abgekühlt sind). Ersatzweise ist es zulässig den Flaschenwechsel
    · bereits ab einer maximalen Temperatur von 200°C durchzuführen, wenn diese sicher festgestellt und gemäß Punkt „g.“ dokumentiert wird oder
    · durchzuführen, indem der Brennervorbau vom Rollwagen getrennt wird und der Flaschenwechsel in mindestens 10 Meter Entfernung vorgenommen wird. Dabei soll der Brennervorbau nicht tiefer als der Flaschenwagen stehen (Brennervorbau immer bergseitig).
  • c. Vor dem ersten Einsatz nach dem Zusammenbau sind alle Brenngas führenden Bereiche mit Lecksuchspray abzusuchen. Nach jedem Flaschenwechsel ist es ausreichend, wenn sich die Kontrolle auf die vom Flaschenwechsel betroffenen, Brenngas führenden Bereiche, beschränkt.
  • d. Die Not-Ausreißleine ist deutlich rot zu kennzeichnen und die Funktion ist vor jedem Arbeitsbeginn und nach jedem Flaschenwechsel unter Realbedingungen (d.h. mit laufenden Brennern) zu prüfen.
  • e. Sollte das Flaschenventil nicht ohne Werkzeug zu öffnen sein, ist das „gewaltsame“ Öffnen von Brenngasflaschen unter zu Hilfenahme von Werkzeug auf dem Schienenwärmewagen untersagt. Solche Flaschen sind auszutauschen.
  • f. Die am Schienenwärmegerät eingesetzten Mitarbeiter sind kurzfristig erneut zu unterweisen.
  • g. Die o.g. Punkte sind schriftlich zu dokumentieren und auf Verlangen auf der Baustelle vorzuzeigen.

Unternehmen, die ein entsprechendes Schienenvorwärmgerät Bauart „SH12S Cemafer“ betreiben und noch keinen Bescheid vom Eisenbahn-Bundesamt hierzu erhalten haben, sind gleichwohl verpflichtet, Ihrer Betreiberverantwortung für einen sicheren Betrieb des Fahrzeuges zu genügen und für die Einhaltung der Arbeitsschutzvorschriften zu sorgen.